SPHÆRIS wurde 2026 von Bea Dieker gegründet. Ziel von SPHÆRIS ist es, die zentrale Anlaufstelle für atmosphärische Fragestellungen mit Alltagsbezug zu sein. SPHÆRIS fördert das Bewusstsein für die Relevanz von Atmosphären, hilft dabei, sie besser zu verstehen, und unterstützt bei der Gestaltung stimmiger Atmosphären.
Bei Realisation umfangreicher ästhetischer, technischer, politischer, wirtschaftlicher Projekte entpuppen sich atmosphärische Ziele hinterher oft als reines Wunschdenken. Im Städte- oder Wohnungsbau, in der Mobilität, in Wirtschaft und Technik, im Bildungs- und Gesundheitswesen, im Gastgewerbe oder auch in privaten Kontexten stellen sich dann Atmosphären ein, die niemand so gewollt hat. Das liegt nicht an mangelnder Fachkompetenz, sondern daran, dass atmosphärisches Wissen bisher Mangelware ist.
Das kommt nicht von ungefähr: Atmosphären fallen zwischen alle Kategorien. Sie sind in keiner Disziplin zuhause. Sie sind weder rein objektiv noch rein subjektiv, als Ganzes nicht messbar, sie haben ästhetische wie soziale Anteile, materielle wie immaterielle, dinghafte und prozesshafte. Wegen dieser Mannigfaltigkeit bleiben sie in Planungs-, Gestaltungs- und Entscheidungsprozessen, aber auch in Bildung und Ausbildung durchweg ausgespart. Das steht in krassem Gegensatz zu ihrer immensen Wirksamkeit. Atmosphärisches Potenzial wird kaum je erkannt und so bleiben viele Lösungen weit hinter ihren Möglichkeiten zurück.
In Atmosphären fallen Umgebung und Situation in eins. Häufig erleben wir Atmosphären gemeinsam mit anderen. Das verbindet oder trennt uns. Atmosphären können uns tragen, bergen, motivieren oder beflügeln. Sie können uns aber ebenso auch erschöpfen, demotivieren und lähmen. Zu verstehen, was in ihnen wirksam ist, ist grundlegend für jede Planung, grundlegend für jedes Projekt.
SPHÆRIS setzt mit seinem transdisziplinären Angebot exakt an dieser Stelle an. Im Zentrum dieser neuen atmosphärischen Praxis steht der Mensch und sein einzigartiges atmosphärisches Gespür.
Atmosphärische Gestaltung kann Komposition oder auch Dirigat sein.
Sie verleiht komplexen Projekten eine neue Metaebene. Dabei geht sie über das sinnlich Wahrnehmbare hinaus. Sie manifestiert sich auf Anhieb als Stimmigkeit.
Theoretische Bezugspunkte
Seit den 1990er Jahren hat das Thema Atmosphäre in unterschiedlichen Disziplinen deutlich an Aufmerksamkeit gewonnen. Im Bereich der Ästhetik ist Gernot Böhme ein zentraler Bezugspunkt; wichtige Voraussetzungen wurden zugleich bereits früher gelegt, etwa in Hermann Schmitz’ Neuer Phänomenologie und ihrer Auseinandersetzung mit Leiblichkeit, Spüren und Atmosphären.
Parallel dazu — und teilweise bereits früher vorbereitet — veränderten raumtheoretische Debatten das Verständnis von Raum grundlegend. Raum wurde nicht mehr nur als physikalische, mathematische, geografische oder metaphysische Größe verstanden, sondern zunehmend auch als sozial, politisch, medial, technisch, körperlich und ästhetisch geprägt.
Heute befassen sich diverse akademische und praktische Disziplinen mit Atmosphären, sie werden zunehmend ein Gegenstand von allgemeinem Interesse. Im Städtebau, in der Soziologie, der Psychiatrie, Psychologie und Pädagogik, in der Pflege, in der Wirtschaft, in Architektur und Landschaftsarchitektur spielen Atmosphären mittlerweile eine immer wichtigere Rolle. Auf interdisziplinären, internationalen Tagungen und Konferenzen befassen sich Wissenschaftler vielfältigster Disziplinen mit ihnen. Auch in der Literatur lässt sich unterdessen ein reiches Spektrum an Veröffentlichungen finden.
Dennoch existiert ein gewisses Fassbarkeitsproblem, da unsere Disziplinen und Berufsfelder sich vorwiegend mit Umgebungen oder aber mit Situationen befassen – die in Atmosphären jedoch zusammenspielen. Zudem gelten in den jeweiligen Disziplinen unterschiedliche Denkkonventionen, Methodenzwänge und Sprachregelungen, die einer gesamthaften Erschließung für die Praxis sehr im Wege stehen.
SPHÆRIS hat die aktuellen Debatten bezüglich Atmosphären im Blick und beteiligt sich aktiv daran. Einzelne Mitglieder halten auf internationalen Konferenzen Vorträge und/oder publizieren dazu. Bea Dieker hat eine eigene Theorie und ein praxistaugliches Modell entwickelt, ein Grundlagenbuch dazu ist in Arbeit.

