FAQ
Wie kann man sich Atmosphären überhaupt vorstellen?
So, wie die Erde von einem Dunsthauch (wörtliche Übersetzung des Begriffs) umgeben ist, lassen sich Atmosphären allgemein als ein uns umgebender, umhüllender Dunsthauch vorstellen, in dessen Mitte wir uns befinden. Atmosphären sind zwar etwas Schwebendes, Vages, zugleich aber auch etwas Hochwirksames. Schließlich sagen wir, dass sie herrschen. Was aber kann uns derart umgeben oder umhüllen? Unsere Kleidung, unsere Wohnung, aber auch das Wetter, die Jahreszeit, ein Ereignis oder eine Krankheit können das. Wir erkennen dieses Umgebende, Umhüllende von Atmosphären besonders gut, wenn sie uns spürbar zu Leibe rücken, uns einengen, bedrücken oder auch haltlos werden lassen. Alles, was uns atmosphärisch umhüllen kann, gehört entweder in die Kategorie der Umgebungen (Dinghaftes, Materielles, Wahrnehmbares, Konkretes, Objektives) oder in die Kategorie der Situationen (Immaterialles, Ideelles, Kognitives, Gefühltes, Beziehungshaftes, Prozessuales, Subjektives). Diese völlig unterschiedlichen Kategorien spielen in Atmosphären zusammen. Mit Atmosphären zu arbeiten, erfordert daher, sich dem Zusammenspiel von Umgebung und Situation zu widmen und damit, über den Tellerrand einzelner Disziplinen hinauszublicken.
Werden Atmosphären subjektiv unterschiedlich empfunden?
Ja und nein. In der Forschung ist allgemein anerkannt, dass wir Atmosphären gemeinsam mit anderen als dieselben erleben können. Allerdings spüren wir sie jeweils als Individuum und unsere subjektive Verfassung spielt natürlich in das Empfinden von Atmosphären hinein. Häufig wird, was wir atmosphärisch (auch gemeinsam mit anderen) spüren, von unserem Urteil – das subjektiv ist – überdeckt. Wir konzentrieren uns darauf, wie wir das finden, was wir spüren, anstatt darauf, was wir spüren. Unser Spüren kann also ganz ähnlich sein, unser Urteil dennoch unterschiedlich. Wo immer wir Umgebungen und Situationen zugleich mit anderen teilen, in der U-Bahn, bei einem Konzert, in einer Besprechung, im Wartezimmer eines Arztes, bei einer Feier, können wir die Atmosphären, die dort herrschen auch gemeinsam als dieselben spüren.
Warum sind Atmosphären kaum ein Thema?
Zum Teil ist das darauf zurückzuführen, dass sie für subjektiv gehalten werden. Zum anderen sind Atmosphären ein relativ junges Forschungsfeld. Erst nach und nach dringt ihre grundlegende Wichtigkeit ins Bewusstsein von Architekten, Städtebauern, Psychologen, Soziologen und anderen Spezialisten. Es gibt weltweit mittlerweile eine zunehmende Zahl an Forschern, Initiativen und Konferenzen, die die Relevanz des Themas erkannt haben. Atmosphären umfassen alle lebensweltlichen Bereiche. Sie sind immer und überall wirksam. In ihnen spielen Umgebung und Situation zusammen. Unsere bestehenden Disziplinen sind aber entlang der Achse Umgebung oder Situation gespalten. Das steht der Erfassung des Gesamtphänomens im Weg. Das zusammen erschwert ihre Würdigung insbesondere in planerischen Kontexten, die vornehmlich auf objektive, messbare, rationale Bezugspunkte setzen. Weil das so ist, bleibt die Beachtung des Atmosphärischen ausgespart. Atmosphärische Arbeit ist ihrem Wesen nach humanistisch. Sie stellt den Menschen und sein Spüren in den Mittelpunkt und nicht die Dinge. Mit Atmosphären zu arbeiten, ist ein höchst innovativer und höchst wirksamer Ansatz. Wohlbefinden lässt sich nur auf einer atmosphärischen Metaebene erreichen und nicht auf Ebene der Fakten.
Lassen sich atmosphärisch gelungene Lösungen übertragen?
Kaum. Atmosphären sind immer sowohl an eine konkrete Umgebung als auch an eine konkrete Situation gebunden. Was an einem Ort atmosphärisch gut funktioniert, kann an einem anderen Ort atmosphärisch katastrophal sein. Es gibt vielfach Besipiele (Superblocks Barcelona), in denen eine Lösung, die an einem Ort atmosphärisch hervorragend funktionierte, an einem anderen Ort genauso oder ähnlich implementiert wurde, dort aber zu katastrophalen Ergebnissen (Superblocks-Kopie Stuttgart) geführt hat.
Lässt sich dennoch sagen, was in Atmosphären generell wirksam ist?
Ja. Fünf Kräfte sind in jedem Fall atmosphärisch wirksam. Ort, Sinnesqualitäten (wenn sie uns umgeben), Geschehnisse, Anwesende und Kultur. Jede dieser Kräfte kann eine Atmosphäre allein dominieren oder auch zum Kippen bringen. Diese 5 Kräfte liefern konkrete Hebel für eine atmosphärische Gestaltung.
Für wen ist die Beachtung des Atmosphärischen überhaupt wichtig?
Für alle, die wirksam Neues in die Welt bringen oder die Bestehendes wirksam verbessern wollen. Komplexen planerischen Prozessen fügt die Beachtung des Atmosphärischen eine Metaebene hinzu, auf der sich heterogene und gegenläufige Aspekte, Kräfte, Positionen zu einer stimmigen Ganzheit zusammenführen lassen. Wenn Bestehendes Probleme macht und schon alles versucht worden ist, doch keine Besserung eintritt, liegt das Problem meist nicht auf der Sachebene, sondern auf der atmosphärischen Ebene. In beiden Fällen erzeugen tausend gute Einzelmassnahmen noch keine atmosphärisch gute Lösung. In solchen Fällen liefert eine atmosphärische Standortbestimmung wertvolle Aufschlüsse darüber, wo der Hebel sitzen kann.
Wie kann SPHÆRIS mir konkret weiterhelfen?
SPHÆRIS bietet mit seiner academy Seminare oder Workshops zum allgemeinen Wissenserwerb an. Bea Dieker, Gründerin von SPHÆRIS, bietet atmosphärische Standortbestimmungen, Impulsvorträge und atmosphärische Begleitung bei komplexen Projekten an.
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